Zu jukagirisch lokil ~ lokkil "Pfeil".
Author: Knuppel, Michael
Pub Date: 01/01/2010
Publication: Name: Acta Orientalia Publisher: Hermes Academic Publishing Audience: Academic Format: Magazine/Journal Subject: Social sciences Copyright: COPYRIGHT 2010 Hermes Academic Publishing ISSN: 0001-6438
Issue: Date: Annual, 2010 Source Volume: 71
Accession Number: 300544834
Full Text: Abstract

The article deals with the Kolyma-Yukaghir term lokil ~ lokkil "(blunt) arrow", its possible origin in the context of terms for arrows in other Siberian languages, as well as in that of hunting terminology. The author with others (like K. Vilkuna, N. Poppe etc.) traces it back to Tungus languages and discusses its character as a taboo-word.

Keywords: Yukaghir, arrow, loanword from Tungus languages, hunting term, language taboo.

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Zweifelsohne gehort die Jagdterminologie in der Sprachenwelt Sibiriens zu den interessantesten Bereichen der Lexik. So etwa in den sogenannten "palaoasiat.", samojed., tung., etc. Sprachen. Spiegelt sich doch hier ein ganz wesentlicher Bereich der materiellen--aber auch der geistigen--Kultur der Volker dieses geograph. Grossraumes wieder. Seien dies nun alltagliche Bezuge zur Jagd selbst, Hinweise auf Sprach- und Kulturkontakte oder der in einer spezifischen Jagdterminologie zum Ausdruck kommenden Weltanschauung der Angehorigen der jeweiligen Sprachgemeinschaft. Nicht ohne Interesse sind in diesem Kontext u. a. die Termini zur Bezeichnung von Jagdwaffen. Im Zuge der Arbeit an einem kleineren Beitrag zu den Bezeichnungen fur "Pfeil" resp. verschiedene Arten von Pfeilen in den tung. Sprachen stiess der Vf. einmal mehr auf eine Benennung fur diesen in den juk. Idiomen, die eine Reihe von Fragen aufwirft: lokil ~ lokkil (Kolyma-Juk.), als allgem. Bezeichnung fur "Pfeil", (1) aber auch als Bezeichnung fur den sogenannten "Klumppfeil".

In ihrem histor. Wb. gibt I. Nikolaeva (2) unter einem von ihr [re-]konstruierten proto-juk, luki kolyma-juk. Formen aus verschiedenen, z. T. alteren Publikationen. (3) Zu diesen wird von der Vf.in noch aus dem tung. Bereich Lato. luki--und dies ausgerechnet in der Bedeutung "Spielzeugpfeil"--gestellt. (4) Tatsachlich ist luki aber ges.- tung. und von den westlichen Dialekten des Ew. bis ins Ma. in der allgemeinen Bedeutung "Pfeil" gut belegt (cf. Cincius [1975-77], p. 507: Ew., Lato., Arre., Neg., Oroc., Ul., Orok., Nan., Kili, Ma.) (5) und durfte diese allgemeine Bedeutung (-- neben der spezielleren Bedeutung "Klumppfeil" --) auch im Juk. gehabt haben. Aus zahlreichen, den tung. Sprachen benachbarten Idiomen ist das Wort--haufig in dieser spezielleren Bedeutung--ebenfalls gut belegt: Ostjak. lank, lank, lank "(Eichhom-)Pfeil mit stumpfem Ende; Pfeil mit ho1zemer Spitze", (6) Wog. [??]a[??] ~ la[??] "Pfeil mit stumpfer Spitze fur die Eichhomchenjagd", (7) Nen. lukki-(8) oder Nivch. lux. (9) Das Wort ist aus nahezu allen tung. Sprachen und Dialekten bekannt, worauf schon K. Vilkuna, der zu dem Klump- oder Bolzenpfeil im ostjak. Bereich schreibt: (10)

"Das ostjak. Wort l[??]nk hat Toivonen (FUF 20, S. 52) schon fruher mit dem von Castren aufgezeichneten samojed. Wort, das im Jurakischen luk, luky und in den Jenisseimundarten loku "Klumppfeil" lautet, gleichgestellt", hingewiesen hat: (11)

"Ferner hat Mag. Phil. A. J. Joki, der so freundlich war, die samojedischen Pfeilnamen fur mich zu sammeln, angegeben, dass man das entsprechende Wort mindestens noch in den lamuti-, giljaki-, negidal-, oroci- und mandsu-Sprachen antrifft".

Aufgrund der weiten Verbreitung, der Lautgestalt und der Semantik nimmt Vilkuna einen gemeinsamen Ursprung und zudem ei--n recht hohes Alter der Bezeichnung an. (12) So auch N. Poppe, der ebenfalls auf die weite Verbreitung hinweist: (13)

"jur. 229 lukki O. Sj. "Klumppfeil, stumpfer Pfeil, der auf der Jagd auf Eichhornchen gebraucht wird", nen. 192, 194 loki und luki id. < ew. 239 luki "Holzpfeil mit stumpfem Ende, der auf der Jagd auf Eichhornchen gebraucht wird" vgl. Nrc. "Steinspitze eines Pfeils", neg. luxi, lam. nuki, oroc. luki, orok. lekke, ulca leke, mandschu luxu (vgl. V. I. Cincius: Sravnitelnaja fonetika tunguso-man'czurskix jazykov, Leningrad, 1949, S. 311). Das Wort kann nur eine Entlehnung aus dem Tungusischen sein, weil es so weit im Osten unter den Nanai (Golden) und sogar im Mandschu, einer ziemlich alten Literatursprache, vorkommt. Andererseits hat das jur. Wort keine samojedische oder uralische Etymologie".

Auch G. Doerfer nimmt einen gemein-tung. Ursprung an und fuhrt die tung. Formen--gewiss zutreffend--auf ein ur-tung. *lokia/o zuruck, (14) wahrend J. Benzing eine Form *loku annimmt. (15)

Die entscheidende, sich hieraus ergebende Frage ist nun die, warum die uber so alte und zudem vielfaltige Jagdtraditionen verfugenden Jukagiren die Bezeichnung fur eine bei Ihnen sich im Gebrauch befindliche Jagdwaffe von den ihnen benachbarten Tungusen entliehen haben sollen. Zwar ist mit etwas Phantasie und einer recht evolutionistisch eingefarbten Sicht denkbar, dass die Jukagiren die Benennung mit der Einfuhrung einer bestimmten Art von Pfeilen (zu denken ware hier etwa an solche mit eisernen Spitzen, die bei ihnen wohl im 17. Jh. Eingang gefunden haben durften (16)) von ihren "technisch entwickelteren" Nachbarn ubernommen haben konnten. (17) Hiergegen spricht freilich, dass die Jukagiren--wie die meisten Volker des nordl. Eurasien--eine Vielzahl von Bezeichnungen fur die untersehiedlichsten Arten von Pfeilen (darunter solche mit Eisenspitzen und fur die verschiedensten Bestimmungszwecke) kennen. (18) Sehr viel wahrscheinlicher ist hier das Vorliegen einer Tabuform oder genauer: eines fremdsprachlichen Ersatzwortes. Dies ware zum einen aus der speziellen Jagdterminologie, die alle sibir. Volker kennen, (19) und deren Motive auch den Jukagiren wohlbekannt waren, und zum anderen der Tabuisierung der Jagdwaffen selbst, zu erklaren. Der Jagdterminologie der Volker des nordl. Eurasien lag die Vorstellung zugrunde, dass die Tiere die Sprache der Menschen (d. h., im Zweifelsfalle naturlich die der jeweiligen gerade der Jagd nachgehenden Gruppe) verstehen und dies das Jagdgluck nachteilig beeinflussen kann. Wird ein fremdsprachliches Ersatzwort benutzt, so wirkt sich das naturlich--so die Vorstellung--auf das Jagdgluck der Sprecher der betreffenden Sprache, der die entsprechenden Termini entstammen, aus.

Es ware nun naturlich denkbar, dass die juk. Formen sich auf das von I. Nikolaeva [re-]konstruierte luki oder eine ahnliche Form zuruckfuhren lassen, das resp. die als Ersatzwort(e) aus einer tung. Sprache (nicht zwingend dem Lam.) ubernommen wurde(n). Tatsachlich allerdings entzieht sich dies alles vollkommen dem, was wir irgendwie ermitteln konnen. Es ist ebenso gut denkbar, dass entsprechende Formen zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Bedingungen ins Juk. gelangt sind.

Was nun die von Nikolaeva (nach Cincius [1975-1977], p. 507) gegebene Bedeutung "Spielzeugpfeil" (20) betrifft, liegt hier eine Konfusion zugrunde. Zwar findet sich der Verweis auf diese spezielle Bedeutung nicht nur bei Cincius, sondern vereinzelt auch in der alteren Literatur, allerdings handelt es sich hierbei eben um eine eher am Rand liegende Bedeutung. So gibt B. Adler fur das Nanaj an: (21) "loko "Kinderpfeil" (der meistens ein kleiner Klumppfeil ist" und auch bei W. Jochelson findet sich dies--allerdings in Verbindung mit der eigentlichen Bedeutung: (22)

"A arrow called l'okkil' with a rounded head made of bone or wood is used for squirrel hunting in order not to spoil the skin, and also for boys while practising shooting. A large blunt arrow is called cumol lokkilc".

Nun ist der Klumppfeil--und um einen solchen handelt es sich bei den hier beschriebenen Pfeilen zumeist (im Juk. bezeichnet der Terminus wohl ursprunglich ganz allgemein den Pfeil--so ubrigens auch schon in den tung. Sprachen--und wurde, vermutlich erst spater im Zuge einer Bedeutungsverengung, zur Bezeichnung fur den Klumppfeil [wenn sich diejenigen, die die Aufzeichnungen "vor Ort" besorgt haben, nicht einfach vertan haben])--tatsachlich in erster Linie ein Instrument zur Jagd auf kleinere Pelztiere (durchaus nicht nur Eichhornchen, wie bei V. I. Cincius, N. Poppe und W. Jochelson angegeben). Er wurde zum Toten der Beute bei gleichzeitiger Vermeidung von Perforationen der wertvollen Pelze benutzt. Zum Gebrauch von Klump-Pfeilen (hier "Boltzen-Pfeilen") bei den Jukagiren (aber auch allgemein) vgl. bereits zahllose altere Darstellungen--so etwa bei G. F. Muller (1736/1742). (23) Als Spielzeugpfeile durften die Klumppfeile eher zufallig zum Einsatz gekommen sein--vermutlich wurden den Kindern, aufgrund der vergleichsweise geringen Verletzungsgefahr, Klumppfeile zum Spielen (oder wohl eher zum Uben des Umganges mit Pfeil und Bogen) ausgehandigt.

Abkurzungen

1. Abkurzungen des Vf.s:

Ama. = Armanisch; Ew. = Ewenki; Juk. = Jukagirisch; Jur. = Jurakisch; Lam. = Lamutisch; Ma. = Mandschu; Nan. = Nanajisch; Neg. = Negidal; Nen. = Nenzisch; Nivch. = Nivchisch; Oroc. = Orocisch; Orok. = Orokisch; Ostjak. = Ostjakisch; Samojed. = Samojedisch; Tung. = Tungusisch; Ul. = Ulca; Wog. = Wogulisch.

2. Abkurzungen S. M. Sirokogorovs:

A. = Ost-Ewenki; B. = Birare; G. S. = Goldisch [Nanaj(isch)] nach Schmidt; N. = Negidal; Ob. = allgemein; Or. = OroCisch; S. = Schmidt; U. C. = Urulga nach Castren.

Literatur

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(1) Angere (1957), p. 143.

(2) Nikolaeva (2006), p. 253, Nr. 1 l 19.

(3) Schiefner (1871), lochel'son (1898), ders. (1900) u. Spiridonov (2003).

(4) Nikolaeva (2006), Nr. 1119: "toy arrow"--zu diesem Problem vgl. unten.

(5) Eine Vielzahl von Belegen aus tung. (aber auch "benachbarten") Idiomen liefert auch S. M. Sirokogorov in seinem "Tungus Dictionary" (Shirokogoroff [1944/1953]). So Sp. 160 [Doerfer (2004), Nr. 6863]: "luk i, [A. N., U. C.] luxi N. S. (an arrow), luki Or., S.; Giljak S. lux nakonecnik, Jukagir! S. lokil; ma. lubu tupoj nakonecn, strela vvide utin. nosa" oder Sp. 159 [Doerfer (2004), Nr. 6818]: loko [Ob., U. C.] (no loko N. M.), luk 'i, luko, lok 'i (B.); ma. lakiyambi; loho (Or.), lokon (G., S.). Eine recht gute Zusammenstellung der tung. Formen findet sich auch bei Futaky (1975), p. 51.

(6) Vgl. hierzu Futaky (1975), p. 52 (mit Angaben der Quellen).

(7) Liimola (1944), p. 85.

(8) Lehtisalo (1956), p. 229.

(9) Sinor (1970), p. 544.

(10) Vilkuna (1950), p. 346.

(11) Vilkuna (1950), p. 347.

(12) Vilkuna (1950), p. 347: "Die lautmassige Ahnlichkeit und die Ubereinstimmung der Bedeutung lassen einen uralten gemeinsamen Ursprung vermuten".

(13) Poppe (1973), p. 270 f.

(14) Doerfer (2004), Nr. 6863; in der Vergangenheit nahna er offenbar ein ur-tung. *lokki < *lokkia (~ *lakkia), wie er bei Gelegenheit I. Futaky mitgeteilt hat (Futaky [1975], p. 51) an.

(15) Benzing (1956), p. 45.

(16) Vgl. hierzu bloss G. F. Muller (Helimski/Katz [2003], p. 80: "Beyderley Gattungen [von Pfeilen] sind von Eisen, und siehet naan gegenwartig keine Knochen Pfeile mehr bei ihnen").

(17) Hierauf wurde in der Vergangenheit vielfach hingewiesen. Es waren haufig Sibirienreisende, die die Tungusen als den Samojeden und spater sogenannten "Palaoasiaten" uberlegen ansahen. Eine Reihe solcher Zitate ist bei Fuktaky (1975), p. 18, Anta. 16 zusammengestellt: "So diskurrierte er [der "Woiwode" von Tomsk] auch von die Tungusen, dass diese Nation unter allen anderna hier in Sibirien die allergeschicktesten und schnellsten Bogenschutzen sein sollten. Sie ubergingen [ubertrafen] auch im Laufen und Rennen die Sanaojeden und Ostjaken und waren in summa unvergleichliche disposte [tuchtige, gut veranlagte] Leute ..." (Reisetagebuch von D. G. Messerschmidt, Eintragung vom 10. April 1721; vgl. Messerschmidt Reise I 88).--"Die Tungusen, ein munteres, aufgewecktes, und von der natur nait einem guten verstand begabtes volck ..." (Fischer 1768. 110). "Die Tungusen sind ein feines, geputztes und elegantes Volk, man konnte sie mit Recht Sibiriens Adel nennen ... Freunde des Tanzes und ritterlicher Ubungen besitzen sie auch eine Behendigkeit und Elasticitat, welche auf das Vortheilhafteste gegen die Schwerfalligkeit der Samojeden und Ostjaken absticht" (Cas Rber 250 [dies = Castren (1856)]). Vgl. hierzu etwa auch einige der Bemerkungen bei H. J. Klaproth (1823). Die Uberlegenheit, die von den Reisenden angesprochen wurde, entsprach allerdings auch der Selbstwahnaehnaung der Tungusen. So wird in einem der lato. Menaorate, die sich bei K. A. Novikova finden, vom lana. Erzahler (in Abgrenzung zu den Korjaken) hinsichtlich der hier relevanten

Bewaffnung berichtet: "Die Korjaken hatten damals Pfeile, deren Spitzen aus Stein oder Fischknochen waren und Bogen. Die Orocen hatten schon Spitzen der Pfeile aus Eisen, aber auch Lanzen mit eisernen Spitzen fur die Reiter" (Novikova [1958], pp. 82-88: "O prosloj zizni orocej i korjakov" ["Von dem vergangenen Leben der Orocen und Korjaken"]).

(18) Vgl. Uray-Kohalmi (1953), dies. (1959) sowie Helimski/Katz (2003), pp. 33-36.

(19) Hierzu allgem. Menges (1932).

(20) Nikolaeva (2006), Nr. 1119.

(21) Adler (1901), pp. 14, 23 u. 30.

(22) Jochelson (1926), p. 385.

(23) Helimski/Katz (2003), p. 80.
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