Vera Constantini and Markus Koller (eds): Living in the Ottoman Ecumenical Community. Essays in Honour of Suraiya Faroqhi.
Article Type: Book review
Subject: Books (Book reviews)
Author: Scharlipp, Wolfgang-E.
Pub Date: 01/01/2009
Publication: Name: Acta Orientalia Publisher: Hermes Academic Publishing Audience: Academic Format: Magazine/Journal Subject: Social sciences Copyright: COPYRIGHT 2009 Hermes Academic Publishing ISSN: 0001-6438
Issue: Date: Annual, 2009 Source Volume: 70
Topic: NamedWork: Living in the Ottoman Ecumenical Community: Essays in Honour of Suraiya Faroqhi (Essay collection)
Persons: Reviewee: Constantini, Vera; Koller, Markus
Accession Number: 300652482
Full Text: Vera Constantini and Markus Koller (eds): Living in the Ottoman Ecumenical Community. Essays in Honour of Suraiya Faroqhi. Leiden, Boston: Brill, 2008 (The Ottoman Empire and its Heritage, vol. 39) 496 pp. ISBN 978 90 04 16 575 5.

Dieser umfangreiche Band enthalt 26 Beitrage, die versuchen, die Leistung der geehrten Wissenschaftlerin widerzuspiegeln. Die Motivation ist gut begrundet, da keine zweite Osmanistin ihre Disziplin in solch neue Bahnen geleitet und ihr Fach so gepragt hat.

Ihr besonderes Verdienst ist es, die Forschung in der Osmanistik von einem rein politisch-historischen Schwerpunkt zu einer Tatigkeit erweitert zu haben, in der auch Handel, Kultur und das tagliche Leben der Bevolkerung ihren Platz fanden. Diese Sichtweise der Entwicklung einer politischen Einheit fuhrte zwangsweise dazu, die einzelnen Bevolkerungsgruppen--ethnische, religiose, berufliche usw. innerhalb der politischen Grenzen wie auch grenzuberschreitend verstehen zu wollen. Eine solche Betrachtung der sozialen und kulturellen Verhaltnisse erweitert unsere Kenntnis vom Aufbau des in Frage stehenden Staates erheblich und ist somit ein bedeutender Fortschritt im Vergleich zur Beschrankung auf die politischen Ablaufe, bzw. administrative Einzelheiten.

Die Untersuchung diesbezuglicher Fragen ist mit der Definition von Bevolkerungsgruppen verbunden, wobei sich sofort die Frage nach deren Homogenitat und geographischer Verbreitung anschliesst. Das wiederum wirft die Frage nach der Definition von politischen, administrativen und wieder geographischen Grenzen auf. Nach wie vor werden die osmanisch-turkischen Termini fur den Begriff "Grenze" diskutiert. Weder im Osmanischen Reich noch zwischen europaischen Staaten scheinen genau gezogene Grenzen vor der Mitte des 17. Jahrhunderts von Bedeutung gewesen zu sein, wozu im Vorwort (S.5) verschiedene Beispiele gegeben werden.

Die Vorstellung von der "Grenze" ist die Voraussetzung fur die Beschreibung der Art und Weise, wie sie uberschritten wurde und wird. Jede soziale, okonomische und religiose Gruppe hatte ihre eigene Weltanschauung, und in den meisten Fallen waren die Grenzen dieser Gemeinschaften nicht identisch mit den politischen Grenzen. In den folgenden Beitragen werden die fruhen modernen Staaten, hier insbesondere das Osmanische Reich, als System verschiedener okumenischer Gemeinschaften betrachtet, was ein besseres Verstandnis des Interagierens dieser Gemeinschaften erlaubt. In diesem Kontext bezeichnet der Terminus "okumenische" Gemeinschaften soziale, okonomische und religiose Gruppen, die eine grenzuberschreitende Existenz haben, wobei - wie oben deutlich gemacht--der Begriff der "Grenze" unterschiedlich definiert werden kann.

Anstatt auf einzelne Beitrage einzugehen, geben wir im Folgenden eine Zusammenfassung von Artikeln, die beispielhaft fur deren Gesamtheit sind.

Der Hauptteil ist in sechs Kapitel gegliedert, die sich jeweils auf verschiedene geographische, bzw. Uberschneidungen geographischer Bereiche beziehen. So wird der erste Teil, der Istanbul zum Gegenstand hat, von einem Beitrag uber die Amalgamierung seldschukisch/islamischer und byzantinisch/christlicher Elemente in der Administration eingeleitet. In diesem Kapitel kommt die ethnische, soziale und religiose Vielfaltigkeit zur Sprache, die die Eroberung Konstantinopels nach sich zog. Hierhin gehoren auch die Juden, die aus Spanien vertrieben worden waren und die ein besonders deutliches Beispiel fur eine grenzuberschreitende okumenische Gemeinschaft darstellen, allerdings unter Berucksichtigung ihrer inneren Heterogenitat.

Trotzdem wurden solche okumenischen Gemeinschaften oft als homogene Gruppen angesehen, wie im selben Kapitel beschrieben. So z.B. die "turkischen" Kaufleute, die nach Venedig kamen und dort mitten in der Stadt im "Fondaco dei Turchi" untergebracht waren. Habsburger Quellen dagegen sahen einen monolithischen Block in den slawischen Kaufleuten, die aus den osmanischen Gebieten kamen. Uberhaupt bildeten Handler eine der grossten grenzuberschreitenden Gemeinschaften. Gegenstand eines Beitrages zu diesem Thema ist die Zusammenarbeit zwischen einer reichen bulgarischen Handelsfamilie, griechischen Handlern und Kaufleuten aus Ragusa. Durch ihre guten Beziehungen zur osmanischen Verwaltung einerseits und Vertretern der franzosischen Diplomatie in Istanbul andererseits, gewannen sie gar einen gewissen Einfluss auf die bilateralen Beziehungen dieser beiden Staaten.

Ein weiteres Kapitel beinhaltet der Artikel uber "soziale und religiose okumenische Gemeinschaften an der Peripherie des Osmanischen Reiches". So werden Reisende und Pilger als Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen angesehen. Inwieweit diese als eine homogene Gruppe im Rahmen dieses Buches gelten konnen, sieht Rezensent jedoch als zweifelhaft an. Am nachsten kommt man der Definition vielleicht entgegen, wenn wir uns auf hier beschriebene Gruppen beschranken wie Pilgerkarawanen, die auf ihrem Weg nach Mekka und Medina dem Schutz des Sultans unterstanden oder solch homogene Gruppen wie die organisierten Pilger aus Japan.

Andere grenzuberschreitende Gemeinschaften formten muslimische und nicht-muslimische religiose Gruppen, wie die apostolischen Vikare, die nach der Grundung der "Congregatio de Propagande Fide" (1622) den osmanischen Balkan bereisten und Rom uber den Zustand der katholischen Kirche dort unterrichteten. Franziskaner und Jesuiten begannen die Ausweitung ihrer missionarischen Tatigkeit, und auch die serbisch-orthodoxe Kirche, die ihre Zentren ausserhalb des Osmanischen Reiches hatte, baute innerhalb des Reiches ein Netzwerk auf. Auf der anderen Seite wurde die Mehrheit der Bevolkerung Bosniens nach dessen Eroberung durch die Osmanen muslimisch, und das Stadtbild dort veranderte sich mit den nun auftauchenden Moscheen und Medresen.

Im letzten Kapitel, das von den okumenischen Gemeinschaften zwischen den politischen Machten des Mittelmeerraumes handelt und deren maritimen Kontakten, kommen auch diplomatische Aktivitaten zur Sprache, die die Freiheit der Seefahrt garantieren sollten.

Der Band wird von dem beeindruckenden Veroffentlichungsverzeichnis Suraiya Faroqhis und einem grundlich erarbeitetem Index abgeschlossen.

Es soll zu Abschluss noch einmal hervorgehoben werden, dass die Beitrage in diesem Bande der Vielseitigkeit der Wissenschaftlerin in vollem Masse gerecht werden, und das Buch nicht nur eine wertvolle Quelle fur den Osmanisten, sondern auch fur den SudosteuropaExperten von grossem Interesse ist.

Wolfgang-E. Scharlipp

Copenhagen University
Gale Copyright: Copyright 2009 Gale, Cengage Learning. All rights reserved.