Johannes Hertel, Kleine Schriften.
Article Type: Book review
Subject: Books (Book reviews)
Author: Lienhard, Siegfried
Pub Date: 01/01/2009
Publication: Name: Acta Orientalia Publisher: Hermes Academic Publishing Audience: Academic Format: Magazine/Journal Subject: Social sciences Copyright: COPYRIGHT 2009 Hermes Academic Publishing ISSN: 0001-6438
Issue: Date: Annual, 2009 Source Volume: 70
Topic: NamedWork: Kleine Schriften (Nonfiction work)
Persons: Reviewee: Bomhoff, Barbara; Hertel, Johannes
Accession Number: 300652479
Full Text: Johannes Hertel, Kleine Schriften. Herausgegeben von Barbara Bomhoff. Harrassowitz Verlag. Wiesbaden 2007 (Veroffentlichungen der Helmuth von Glasenapp-Stiftung, Band 43), L, 641 S. ISBN 978-3447055437

Der Einleitungsteil der hier edierten Kleinen Schriften Johannes Hertels (1872-1955) besteht aus (1) einem kurzen Vorwort der Herausgeberin, Barbara Bomhoff, (2) einer Darstellung der Personlichkeit Johannes Hertels, deren Autorin, Dr. habil. Maria Schetelich, offenherzig und bewundernswert vorurteilsfrei in das Leben und Werk Hertels einfuhrt, (3) einem Werkverzeichnis der gesamten Schriften Johannes Hertels mit Rezensionsverweisen sowie (4) einem Inhaltsverzeichnis der in diesem Band nachgedruckten indologischen Schriften (1) . Im Gesamtverzeichnis sind, wie eben genannt, im Fussnotenteil klugerweise auch Hinweise auf Besprechungen einzelner Werke zitiert, so auch jener der indoiranischen Forschungen Hertels. Sie ermoglichen es dem Benutzer des Buches, den heftigst umstrittenen Thesen Hertels ohne Schwierigkeit selbst nachzugehen. Unter dem Titel "Die arische Feuerlehre" (S.XXXII) werden allerdings, wie auch unter anderen Titeln, nur relativ wenige Rezensionen-in diesem Fall neun-angegeben, was kaum mit der wirklichen Anzahl von Besprechungen ubereinstimmen kann. Samtliche Bucher dieser Gruppe, ausser dem unter Fussnote 32 genannten, wurden ubrigens von dem fur diese Aufgaber kaum kompetent gewesenen Mediziner und Medizingeschichtier Reinhold F. G. Muller besprochen (uber R. F. G. Mullers Hauptwerk, Eigenwertungen in altindischer Medizin, siehe u.a. S. Lienhards Besprechung in OLZ 56 [1961], Sp. 415-417).

Hertels grosses wissenschaftliches Verdienst liegt in der Klarlegung der Textgeschichte des Pahcatantra, das nach ihm einen Furstenspiegel in Fabelform darstellt, und daruberhinaus in der Erforschung der erzahlenden Literatur der Jainas. Viele seiner Schriften sind kurze Mitteilungen und eignen sich deshalb schlecht zu einer auch nur einigermassen adaquaten Zusammenfassung im Rahmen einer Besprechung. Nicht wenige Aufsatze weisen nach, dass interessante Parallelen zwischen verschiedenen Versionen von Werken der indischen (oft jainistischen) und der europaischen Erzahlungsliteratur bestehen, oder geben einzelnen indischen Wortern eine neue, prazisere Deutung (ein ausserordentlich wichtiges Beispiel S.102: tantra in der Bedeutung von "Klugheitsfall"). Was den Hitopadesa betrifft, sieht Hertel die nepalische Fassung als die dem Original am nachsten stehende an. Eine Reihe von Arbeiten schenken ihm, wie dies in Sieben Erzahlungen auf Braj Bhakha (S. 276ff.), einer seiner langeren Schriften, der Fall ist, den Ruf eines der fruhesten nicht-britischen Meister der Neuindischen Philologie.

"Wenn Zeit und Umstande es erlauben", so aussert sich Hertel auf S. 277, "hofft (der) Verfasser spater eine Anzahl von Texten in alter RajasthanT und in Braj Bhakha herauszugeben, die nicht nur fur die Geschichte der neuindischen Sprachen, sondern auch fur die des Sanskrit wichtig sind". Wie die Herausgeberin bemerkt, wechselt Hertel in der Textwiedergabe haufig zwischen DevanagarT und Transkription.

Unter den in diesem Band nachgedruckten Nachrufen sind meines Erachtens die Nekrologe auf Eugen Hultzsch und August Conrady am lesenswertesten. Hultzsch erhielt im Jahr 1903 einen Ruf als ordentlicher Professsor des Sanskrit an die Universitat Halle. Er war vorher--seit 1886 - Epigraphist to the Government of Madras sowie Examiner of Sanskrit and Fellow of the University of Madras, zog aber 1887 aus Familiengrunden nach Bangalore und lernte im indischen Suden Tamil, Telugu und Kannada. Wie Hertel zu berichten weiss, wurde Hultzsch aufgrund "seiner virtuosen Beherrschung des Sanskrit wie der modernen sudindischen Sprachen und seiner Vertrautheit" mit der einheimischen Literatur in Indien sehr bald beruhmt. "Die indischen Gelehrten kamen oft ganze Tagereisen weit herbei, um sich mit ihm uber wissenschaftliche Fragen zu unterhalten" (S. 581).--August Conrady (1864-1925) war in anderer Weise ein vielseitiger Pionier. Er erwarb sich 1891 den Doktorgrad mit der Ausgabe eines Bruchstuckes der Naradasmrti, eines der wichtigsten Handbucher der altindischen Jurisprudenz, und habilitierte sich im selben Jahr , gleichfalls an der Universitat Leipzig, mit der Edition eines altnepalischen Tanzspiels, des Hariscandranrtya. Wie das klassische indische Drama bedient sich auch dieses Spiel mehrerer Sprachen--des Sanskrit und dreier anderer alterer Idiome, verwendet fur die Szenenanweisungen aber die zweitwichtigste Sprache des Tals von Kathmandu, die Newaff. Aussserdem war Conrady ein herausragender Kenner der indochinesischen und der austroasiatischen Sprachfamilien sowie des Chinesischen (1903 Berufung an die Universitat Beijing).

Den Abschluss dieses stattlichen Bandes bilden ein Gesamtverzeichnis (Eine Auswahl), S. 599-639, sowie ein gerade fur ein Buch wie dieses es ist, in hohem Grad nutzbares Verzeichnis der Sujets und Erzahlungen. Gegenstand oder Haupthandlungstrager einer Geschichte, S. 640f.--Auf Seite XX ist ihren zu ihrem zu korrigieren.

(1) Um den unschonen Tautologismus der beiden Worter "Werk" und "Schrift" vermeiden zu konnen, ware es empfehlenswert gewesen, den Titel "Werkverzeichnis" in "Verzeichnis (der gesamten Kleinen Schriften)" umzuformulieren.

Siegfried Lienhard

Universitat Stockholm
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