Harry Falk, Walter Slaje (eds.), Oskar von Hinuber: Kleine Schriften.
Author: von Simson, Georg
Pub Date: 01/01/2010
Publication: Name: Acta Orientalia Publisher: Hermes Academic Publishing Audience: Academic Format: Magazine/Journal Subject: Social sciences Copyright: COPYRIGHT 2010 Hermes Academic Publishing ISSN: 0001-6438
Issue: Date: Annual, 2010 Source Volume: 71
Accession Number: 300544841
Full Text: Harry Falk, Walter Slaje (eds.), Oskar von Hinuber: Kleine Schriften. Teil I, II. Glasenapp-Stiftung, Band 47. Harassowitz Verlag, Wiesbaden 2009. LIV + 1165 S. ISBN 978-0-7619-3634-3.

Die Glasenapp-Stiftung, die sich durch ihre Nachdrucke der "Kleinen Schriften" oft langst verstorbener Forscher schon so grosse Verdienste erworben hat, nimmt sich mit den beiden hier vorzustellenden gewichtigen Banden des glucklicherweise immer noch im Wachsen begriffenen Werks Oskar von Hinubers (v. H., geb. 1939) an, der sich durch zahlreiche bedeutende Veroffentlichungen seit Anfang der 1970er Jahre vor allem im Bereich der Erforschung des Pali-Buddhismus einen Namen gemacht hat. Ausser den Kleinen Schriften enthalt Teil I ein knappes Vorwort der Herausgeber, ein Verzeichnis der in den beiden Banden nachgedruckten Schriften und ein vollstandiges Schriften-verzeichnis, das mit seinen mehr als 600 Eintragen ein eindrucksvolles Zeugnis von der Schaffenskraft v. H.s ablegt. Wie die Herausgeber mit Recht betonen, verdanken diese Arbeiten "ihren bleibenden Wert ... der wegweisend angewandten Kombination von Methoden der Indologie mit solchen von Klassischer Philologie und diachroner Sprachwissenschaft" (S. VIII). Hinzufugen mochte man die ganz ungewohnliche Belesenheit des Autors, die sich nicht zuletzt immer wieder in den hier abgedruckten Besprechungen zeigt.

An kleinen Fehlern ist, von ganz Trivialem abgesehen, im Einleitungsteil zu korrigieren: S. XIII, Nr. 26, Z. 2 "Selected Studies": lies "Selected Papers"; S. XL, Nr. 249: "Ji Xinalin": lies "Ji Xianlin".

Von den hier unverandert nachgedruckten 123, ursprunglich in den Jahren 1969 bis 2006 erschienenen, Schriften sind 51 (mit knapp der Halfte des Gesamtumfangs) auf Englisch, zwei auf Franzosisch und die ubrigen auf Deutsch abgefasst. Sie sind in folgende Themenbereiche gegliedert:

I. Buddhistische Literatur;

II. Uberlieferungsgeschichte;

III. Sprachwissenschaft;

IV. Gilgit;

V. Kulturgeschichte;

VI. Varia;

VII. Besprechungen.

Nicht noch einmal in diesen Band aufgenommen sind Arbeiten, die schon in dem von der Pali Text Society herausgegebenen Sammelband (Selected Papers on Pali Studies, Oxford 1994, 2. Aufl. 2005) enthalten sind. In der I. Sektion finden sich u. a. Wiedergaben von kleineren, bisher kaum beachteten Pali-Texten, Studien zu den oft schwer deutbaren Dharanis aus Zentralasien und China (S. 93-119; hier ist S. 115 f. bei der Kopie der linke Rand abgeschnitten) und zur Rechtsterminologie des Theravada-Vinaya. Beachtenswerte Beitrage zur Erhellung der Entstehungsgeschichte des Pali-Kanons sind die beiden 1994 erschienenen Aufsatze "Die neun Angas" (S. 159-173) und "Vinaya und Abhidhamma" (S. 174-1844), die spater ihre Fortsetzung in den grundlegenden Monographien Entstehung und Aufbau der Jataka-Sammlung und Das Patimokkhasutta (Mainzer Akademie-Abhandlungen von 1998 und 1999) gefunden haben.--Die II. Sektion enthalt Arbeiten zur handschriftlichen Uberlieferung, wobei v. H. sich besonders intensiv um Handschriften aus Thailand und ihre Bedeutung fur die Textkritik des Kanons der Theravadins gekummert hat.--In der III. Sektion finden sich neben Untersuchungen von Einzelwortern wichtige Studien zur altesten buddhistischen Sprachgeschichte: "Pali as an Artificial Language" (S. 451-458), "Pali and Paisaci as Variants of Buddhist Middle Indic" (S. 505-521) und "Origin and Varieties of Buddhist Sanskrit" (S. 554-580), Arbeiten, die in engem Zusammenhang mit dem inzwischen zu einem unentbehrlichen Arbeitsmittel der mittelindoarischen Sprachforschung gewordenen Leitfaden Das eltere Mittelindisch im Uberblick (Wien 1986, 2. Aufl. 2001) stehen. Zwei Arbeiten zu iranischen Namen am oberen Indus und zu indischen Namen in Zentralasien beschliessen diesen Abschnitt und leiten zugleich uber zur IV. Sektion, die den buddhistischen Handschriftenfunden von Gilgit gewidmet ist. Hier konnte v. H. zeigen, dass es mit Hilfe der Kolophone einiger Handschriften, in denen Stifter und Konigsnamen vorkommen, moglich ist, ein Stuck Dynastiegeschichte dieses Gebiets im 7. und 8. Jahrhundert zu rekonstruieren.--In der V. Sektion, Kulturgeschichte, findet sich ein schon wegen seiner bibliographischen Angaben wichtiger Ubersichtsaufsatz uber "Probleme der Technikgeschichte im alten Indien" (S. 758-773), der schon 1978 erschienen ist, inzwischen also einer Erganzung bedurfte. Mit wie vielen Problemen dieses Gebiet behaftet ist, zeigt v. H. am Beispiel des eine Art Brunnen oder (mit Stufen versehenen?) Wasserreservoir bezeichnenden, in Landschenkungsurkunden aus Gujarat vorkommenden Ausdrucks vapi in dem 2004 erschienenen Beitrag "Les documents epigraphiques indiens: Difficulte de leur interpretation--Examples concernant l'irrigation" (S. 846-868, zu vapi S. 859 ff.), wobei er Angaben von Lexikographen und anderen literarischen Quellen mit den epigraphischen und archaeologischen Zeugnissen vergleicht. Dasselbe Thema behandelt v. H. in demselben Jahr auch in seiner ausfuhrlichen Besprechung von M. Njammasch, Bauern, Budddhisten und Brahmanen, Das fruhe Mittelalter in Gujarat (Wiesbaden 2001) (S. 1058-1070). Seine Vertrautheit mit den Kommentaren zum Pali-Kanon und ihrer oft schwierigen Terminologie kommt v. H. in dem ausgearbeiteten Vortrag "Everyday Life in an ancient Indian Buddhist Monastery" (S. 869-897) zugute, das die Monche auch mit ihren menschlichen Schwachen zeigt und auf diese Weise die gelegentlich mit ihrer ideologischen Basis in einem gewissen Kontrast stehenden Lebenspraxis dieser Religion veranschaulicht.--In der VI. Sektion findet sich neben dem Nachruf auf Wilhelm Rau (S. 909-912) eine Betrachtung uber "Die Situation der kleinen Facher in den Geisteswissenschaften am Beispiel der Orientalistik" (Mainz 2000) (S. 898-908). Sie enthalt ein uberzeugendes Pladoyer fur die vom Aussterben bedrohten orientalistischen Facher (die Indologie ist nach v. H.s Emeritierung in Freiburg abgeschafft worden), deren die personelle Ausstattung betreffender 'Kleinheit' sich, wie hier dargelegt wird, auch positive Seiten abgewinnen lassen.--Zur VII. Sektion schlieisslich gehoren die uber die engeren Forschungsinteressen v. H.s hinaus weite Bereiche der Indologie berucksichtigenden "Besprechungen', von denen immerhin 54 (von--nach Ausweis des Schriftenverzeichnisses--415!) hier nachgedruckt sind. Sie stammen grosstenteils aus OLZ (durch die technisch bedingte Verkleinerung schrumpfen hier manche Buchstaben auf die Grenze des ohne Lupe Lesbaren), WZKS, ZDMG, JAOS und aus dem von v. H. von 1983 bis 1998 als Mitherausgeber und von 1999 bis 2007 als Herausgeber betreuten Indo-Iranian Journal. Einer der Schwerpunkte ist hier naturgemass die Lexikographie, zu der v. H. durch seine eigene Forschung so viel beigetragen hat. So wird, neben dem Sanskrit-Worterbuch der buddhistischen Texte aus den Turfan-Funden (S. 996-1001), vor aliem das in Poona erscheinende Encvclopaedic Dictionary of Sanskrit on Historical Principles mit kritischen Besprechungen begleitet (S. 1002-1022). Bedingt durch seine langjahrige Beschaftigung mit dem Samghatasutra verfolgt v. H. auch Publikationen im Bereich des Khotan-Sakischen mit besonderer Aufmerksamkeit (S. 1078-1088).

Der Inhalt der beiden Bande wird durch nach Sprachen gegliederte Wortverzeichnisse sowie durch Stellen-, Sach-, Autoren-, Text-, Personen- und Titelverzeichnisse auf vorbildliche Weise erschlossen.

Georg von Simson

Gottingen
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