Das Ratirahasya des Kokkoka und der Anangaranga des Kalyanamalla.
Author: Fidora, Alexander
Pub Date: 01/01/2010
Publication: Name: Acta Orientalia Publisher: Hermes Academic Publishing Audience: Academic Format: Magazine/Journal Subject: Social sciences Copyright: COPYRIGHT 2010 Hermes Academic Publishing ISSN: 0001-6438
Issue: Date: Annual, 2010 Source Volume: 71
Accession Number: 300544846
Full Text: Das Ratirahasya des Kokkoka und der Anangaranga des Kalyanamalla. Zwei indische Lehrbucher der Liebeskunst. Aus dem Sanskrit ubersetzt und erlautert von Klaus Mylius, Wiesbaden: Harrassowitz Verlag (Beitrage zur Kenntnis sudasiatischer Sprachen und Literaturen 19), 2009, 163 pp., ISSN 0948-2806.

Eine annotierte Ubersetzung des beruhmten altindischen Erotiklehrbuchs Kamasutra von Klaus Mylius erschien bereits 1987 und erlebte seitdem zahlreiche Neuauflagen. Doch auch nach dem 3. Jahrhundert, in dem das Kamasutra vermutlich erschien, wurde die Liebeskunst in der altindischen Literatur weiter thematisiert. In erster Linie sind die hier in Ubersetzung vorgelegten Leitfaden--das Ratirahasya und der Anangaranga--zu nennen. Es ist von grossem kulturgeschichtlichem Interesse zu verfolgen, wo diese spateren Werke vom Kamasutra abweichen bzw. uber diesen hinausgehen.

Die seit 1993 von Klaus Mylius in Etappen vorgenommenen Ubersetzungen waren uber viele Jahre und zwei wissenschaftliche Zeitschriften verstreut. Der Herausgeber der "Beitrage zur Kenntnis sudasiatischer Sprachen und Literaturen", Prof. Dr. Dieter B. Kapp, hat das Verdienst, die einzelnen Teile der Ubersetzung zusammengefasst und so bequem zuganglich gemacht zu haben. Er und seinerzeit Prof. Dr. Rahul Peter Das (Halle) haben als fachkundige Berater zum Gelingen des Werkes beigetragen.

In der Einleitung fuhrt Klaus Mylius gegenuber fruheren Ansichten den Nachweis, dass das Ratirahasya noch im 1. Jahrtausend verfasst wurde. Der Anangaranga ragt mit einer Entstehungszeit in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts bereits weit in die mohammedanische Ara Nordwest-Indiens hinein. Die Texte gehoren an sich zur erfreulichen Seite des menschlichen Lebens, sind aber--besonders das Ratirahasya--in alles andere als einem luziden Stil gehalten, so dass mandem Ubersetzer grosstes Lob aussprechen muss.

Nicht nur die Ubersetzung, sondern auch die mit grosser Sorgfalt und Sachkenntnis verfassten Anmerkungen--es sind nicht weniger als 1144--gewahren dem Benutzer eine Fulle von Informationen und Erlauterungen. Allein die Eruierung der zahlreichen Pflanzennamen ist ein Gewinn--nicht nur fur den Indologen, sondern auch fur den Botaniker. Aber auch Mediziner und Kulturgeschichtler werden aus dem Buch neue Anregungen schopfen. Dem Herausgeber gebuhrt Dank dafur, dass er eigens fur die Pflanzennamen ein Register angelegt hat.

Es erhebt sich immer wieder die Frage, ob die in beiden Werken in grosser Zahl gegebenen "Rezepturen" (die meist der Quantitatsangaben ermangeln) einen wirklichen Effekt hervorbringen oder lediglich Produkte von Wunschphantasien sind. Wie in der Einleitung (S. 17) bemerkt wird, wurde diese Frage im Kem schon 1929 aufgeworfen; es ware also an der Zeit, sich um ihre Losung zu bemuhen. Die in den Anmerkungen hierzu gemachten Angaben sind zwar ein Anfang, reichen jedoch bei weitem nicht aus, zumal sie die Kompetenz eines Indologen uberschreiten.

Der fur die Forderung der Orientalistik weltbekannte Verlag Harrassowitz hat auch dieses Buch in einer tadellosen Ausstattung ediert; Druck- und Papierqualitat sind erstklassig.

Alexander Fidora

ICREA--Universitat Autonoma de Barcelona
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